Ab und zu wird auch genascht

„Rhöner Fruchtgenuss“ aus Caritas-Werkstatt ist erfolgreich

Marmelade aus Löwenzahnblüten, Mirabellen-Saft, Wilder-Brombeer-Likör und  Beschwipster-Apfel-Brotaufstrich: All diese Köstlichkeiten gibt es im Haselsteiner Schloss. Hergestellt werden sie in der Caritas Werkstatt. Deren  Leiter ist mit dem Umsatz sehr zufrieden.  

Von unserem Redaktionsmitglied Sabrina Mehler
 

In der neuen Saftküche

Stefan Gawlitzek ist gut gelaunt und erzählt verschmitzt ein kleines Geheimnis: Ab und zu, wenn keiner hinsieht, dann naschen wir auch mal. Wer mag es ihm verdenken die Rhöner Fruchtgenüsse  in der Haselsteiner   Caritas-Werkstatt  duften allzu verheißungsvoll. Seit Anfang des Jahres wird die Marke „Rhöner  Fruchtgenuss“ in Haselstein hergestellt. Im Jahr  1994 hatte Ute Krenzer  aus Poppenhausen die „Saftküche“ gegründet, die sie auf dem heimatlichen Bauernhof  betrieben hat. Weil sich mit der zeit ihr Kundenstamm  stetig vergrößerte und der erfolgreiche Betrieb ihr langsam aber sicher über den Kopf wuchs, entschied sie sich, die Caritas-Werkstatt  mit ins Boot zu holen.

Jetzt stehen die sechs behinderten Mitarbeiter von montags bis freitags in der Küche, die vormals ein Schwimmbad war, aber nicht mehr benutzt wurde. Hier passieren sie Früchte, kochen Marmelade, kleben Etiketten an die hübschen Flaschen und Döschen.

Ediketten klebt Stefan Gawlitzek am liebsten: „Das geht bei uns ruck zuck“, sagt er, „so schnell kann man gar nicht gucken.“ Ute Krenzer freut sich: „In dieser Konstellation läuft es super. Ich  bin mit der Lösung sehr zufrieden.“ Die tatkräftige Poppenhäuserin leitet gemeinsam mit Markus Wingenfeld die Arbeitsgruppe. „Die Arbeit mit behinderten Menschen  macht mir viel Spaß. Wir haben ein super Betriebsklima“, sagt sie lächelnd. Mit viel Elan steht auch der 22. jährige Dennis Vonbirn am Herd und rührt das Obst: „Das gefällt mir sehr gut“, sagt er.

Großen Gefallen haben die Mitarbeiter auch am Sammeln der Früchte und Blütenblätter gefunden: „Wir gehen oft raus in die Natur“, berichtet Stefan Gawlitzek. Erst  vor kurzem habe die Truppe zweimal auf dem Erdbeerfeld die roten süßen Früchtchen geerntet.

Auch unmittelbar entlang des Schlosses findet sich ein großes Feld mit Jostabeeren, einer Kreuzung aus schwarzen Johannibeeren und Stachelbeeren. Hier  pflücken die Mitarbeiter des Öfteren die reifen Früchte. „Die Arbeit ist sehr abwechslungsreich“, sagt Gawlitzek. Vom Ernten über die Verarbeitung bis zum Vertrieb des Fruchtgenusses: Die Caritas-Mitarbeiter sind für alle Produktionsschritte verantwortlich. Mittlerweile hat das Unternehmen auch moderne, Küchengeräte angeschafft. Einen Konvektomaten etwa, mit dem Beeren eingekocht und passiert werden können. Was vorher drei  Tage dauert, ist heute in einem fertig, erläutert  Ute Krenzer  glücklich. Die Zutaten stammen fast ausschließlich aus der Rhön: „Und wir verarbeiten fast alles“, sagt Ute Krenzer. Rosenblüten, Löwenzahn oder Brennnessel – die Bandbreite ist vielfältig.

Zukünftig hat sie, die jetzt nur noch halbtags arbeitet, viel vor: Im Schloss Haselstein soll  im September  ein Laden eröffnet werden, in dem Gruppen die süßen Rhöner Fruchtgenüsse verkosten können.  Ute  Krenzer  hofft, dann beispielsweise Landfrauen  oder Wanderer begrüßen zu dürfen. Außerdem sollen auch Wanderungen  und Fruchtverabreitungskurse  angeboten werden.  

Michael  Wehner, Leiter  der Caritas-Werkstatt, freut sich: „Der Rhöner Fruchtgenuss  findet richtig guten Zuspruch.“ Derzeit liege der Umsatz pro Monat bei 7500 Euro.  „Dennoch sind die Zahlen durchaus steigerungsfähig“, erklärt  Wehner.  Zum Beispiel sollen die Produkte als Werbegeschenke  für Firmen vermarktet werden. „Für den Anfang sind war aber zufrieden“.  zwischen 70 000 und 80 000 Euro sei in das Unternehmen investiert worden. Der Rhöner  Fruchtgenuss ist eines der Arbeitsfelder, in denen die über 100 behinderten Menschen der Caritas-Werkstatt  tätig werden können. Daneben arbeiten  sie in der Montage, in der Wäscherei, der Gartenpflege und vermieten Zelte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.