Ansprachen vom Fuldaer Bischof Algermissen, Caritas-Präsident Neher und Sozialminister Gru?ttner

Rund dreihundert Gäste aus Kirche, Politik und Sozialverbänden nutzten die Zusammenkunft im Wiesbadener Roncalli-Haus zum Austausch

Wiesbaden – 22. Februar 2017 Zum fu?nften Mal hatte die Hessen-Caritas am Dienstag in das Wiesbadener Roncalli-Haus zu ihrem Jahresempfang geladen. Rund 300 Vertreter aus den Bistumsleitungen Fulda, Limburg und Mainz, aus den politischen Gremien der Landeshauptstadt und den im Landtag vertretenen Fraktionen sowie aus den landesweiten Sozialinstitutionen und Verbänden waren der Einladung gefolgt.
Die Begru?ßung nahm der Fuldaer Diözesan-Caritasdirektor Dr. Markus Juch vor, der ab jetzt fu?r zwei Jahre die Leitung der Hessen-Caritas von seinem Limburger Amtskollegen Dr. Hejo Manderscheid u?bernommen hat. Die Hessen-Caritas mit mehr als 1200 Einrichtungen und rund 26 000 hauptamtlichen Mitarbeitern ist mit der Geschäftsstelle in Wiesbaden direkter Ansprechpartner fu?r Landesregierung und Landespolitik. Sie vertritt gegenu?ber Politik und Öffentlichkeit die sozialpolitischen Positionen des katholischen Wohlfahrtsverbandes und seiner Mitglieder. Juch wu?rdigte die Arbeit seines Amtsvorgängers und betonte den Charakter und die Bedeutung des Jahresempfangs als Forum des Austausches, bei dem Vertreter aus Kirche, Politik und Wohlfahrtspflege einmal die Möglichkeit hätten, auch abseits der offiziellen Gesprächskreise zusammenkommen zu können.

In seinem Grußwort unterstrich Bischof Algermissen, dass die Übernahme von politischer und sozialer Verantwortung eine durchaus gangbare Form des christlichen Dienstes am Nächsten sei. Als aktuelles Beispiel dieses auch dem Staat und der Gesellschaft zu Gute kommenden Caritas-Einsatzes nannte Algermissen die kirchliche Flu?chtlingshilfe zur Integration der Zugezogenen. Der Fuldaer Bischof lobte die „gute und verlässliche Zusammenarbeit“ zwischen der Hessen-Caritas und den fu?r die Landesspolitik verantwortlichen Politikern und dankte den Caritas-Mitarbeitern im Lande fu?r ihre sichtbaren Zeichen, dass Caritas nicht einfach nur Sozialdienstleistung sondern eben auch Ausdruck der Nachfolge Jesu sei.
Sozialminister Stefan Gru?ttner richtete in seinem Grußwort einen ausdru?cklichen Dank an die Hessen-Caritas fu?r ihre konstruktive Zusammenarbeit mit der Landesregierung und ihre vielen Anregungen sowie aber auch die immer wieder vorgebrachte Kritik. Gru?ttner lobte die Caritas als Institution, die sich nicht scheue, aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen anzusprechen und anzugehen. In diesem Zusammenhang erwähnte der Minister die aktuelle Jahreskampagne der Caritas „Zusammen sind wir Heimat“, mit der die Caritas unterstreiche, dass man die fragilen Werte und Errungenschaften der Gesellschaft und der Heimat gegen Abgrenzung und Ausgrenzung verteidigen mu?sse. Die Caritas setze mit ihrer christlichen Liebe und Zuwendung ein sichtbares Zeichen, dass letztendlich alle Menschen zwar nicht gleich, aber gleich wert seien – und darauf käme es im gesellschaftlichen Zusammensein an.

Der Hauptvortrag des Abends kam von Caritas-Präsident Dr. Peter Neher, der das aktuelle Kampagnenthema 2017 der Caritas „Zusammen sind wir Heimat“ nochmals ausfu?hrlich präsentierte. Dazu analysierte er den Heimatbegriff und fragte: „Was ist fu?r uns eigentlich Heimat?“ Es sei ein typisch deutscher Begriff, so Neher, jedoch eben nicht genau umrissen. Wichtig sei es gerade in der jetzigen Zeit des Populismus und der Zuspitzung gesellschaftlicher Auseinandersetzungen um die Deutungshoheit zum Beispiel u?ber solche Begriffe wie Heimat, dieses Wort und seine Gewichtung nicht denjenigen zu u?berlassen, die es nutzen wollten, um viele Menschen als nicht dazu gehörend auszugrenzen. Denn, so der Caritas-Präsident, Heimat könne man teilen. Heimat forme sich dort, wo Menschen sich im Alltag begegneten. So ziele die Caritas-Kampagne „Zusammen sind wir Heimat“ auf eine zukunftsgewandte Gestaltung der Heimat, auf Integration durch Austausch und Voneinander-Lernen ab: Alle Menschen, die Alteingesessenen wie die Zugezogenen, sollten dabei die Möglichkeit bekommen, teilzuhaben an einer offenen Gesellschaft, die auf gegenseitiger Wertschätzung und dem Respekt vor gemeinsamen Grundwerten basiere.

(Autor: Dr. Christian Scharf – DiCV Fulda)

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