Beifall für das Jesuskind

Weihnachtliche Katechese – Caritas Wohnheime für behinderte Menschen

Von Hans-Joachim Stoehr

 

Im Schnittpunkt der Wege des Fuldaer Caritas-Wohnheims steht die Krippe – im Flur an der Eingangstür. Für Katechet Alfred Koch ist das ein guter Platz. Denn die behinderten Heimbewohner kommen immer wieder an der Darstellung der Geburt Jesu vorbei.

 

 
 

„Die Krippe ist in der Advents- und Weihnachtszeit das Zentrum unseres religiösen Lebens. Heimbewohner bleiben stehen, machen ein Kreuzzeichen“, erläutert Alfred Koch. Seit er im Ruhestand ist, kümmert sich der frühere Caritas-Mitarbeiter ehrenamtlich – man sollte besser mitverantwortlich sagen – um das Leben im Wohnheim. „Der Alfred“ ist Ansprechpartner für die Menschen. Er freut sich mit ihnen, umarmt sie. Oder er trauert mit ihnen, wenn einer aus ihrem Kreis gestorben ist.

Der Katechet zeigt auf eine kleine Ziege in der Krippe. „Sie ist aus Ton und mit weißem Ziegenfell überzogen. „Die holen unsere Leute gern raus und streicheln sie.“ Heimbewohnerin Brigitte kommt freudestrahlend auf Koch zu. Auf ihrem Rollator liegt ein Korb mit einem Teddybären. „Das ist der Axel. Der teilt mit Brigitte Freud und Leid“, sagt der Katechet.

Langsam füllt sich der Flur mit weiteren Heimbewohnern. Betreuer schieben Männer und Frauen in Rollstühlen in den Flur. Andere, die noch gut zu Fuß sind, holen Stühle aus dem nahen Speisesaal. Vielen der Heimbewohner ist die freudige Erwartung im Gesicht abzulesen. Katechet Koch hat ihnen in den Tagen zuvor von der anstehenden Feier erzählt.

Heimbewohnerin umarmt Krippenbauerin

Mit im Flur dabei ist auch Rita Meschede aus Marbach. Vor 14 Jahren hat sie die Krippe aus Ton und Textilien gestaltet und dem Caritas-Wohnheim   geschenkt (siehe „Stichwort“). Eine Heimbewohnerin, die das von Koch erfährt, geht auf die Krippenbauerin zu und umarmt sie herzlich.

Da der Geräuschpegel im Flur durch die vielen Heimbewohner beträchtlich ist, beginnt Koch seine Katechese mit lauter Stimme. Mehr Ruhe kehrt ein. Kochs Worte werden bisweilen von Schreien unterbrochen. Etwa, wenn einer der Menschen im Rollstuhl Schmerzen hat. Böse Blicke sind aber Fehlanzeige.

Koch steht neben der Krippe. „Jesus hat dieses Jahr seinen 2013. Geburtstag. Das ist doch  ein Grund, sich zu freuen“, ruft der Katechet aus. Die Heimbewohner klatschen – wie kurz zuvor, als die Krippenbauerin Meschede begrüßt wurde.

Seine Katechese spricht Koch frei, ohne Manuskript. „Das kommt aus dem Herzen“, sagt er. Mehrfach stellt er Fragen. Etwa, wer zur Zeit der Geburt Jesu Kaiser war? Bodo, einer der Rollstuhlfahrer ruft „Augustus“. Koch dazu: „Klasse, Bodo, unser Lateiner, du weißt das natürlich.“ Der Mann lebt seit einem schweren Unfall mit anschließendem Koma im Wohnheim. Davor war er Zeitungsredakteur.

 

Jesus-Puppe mit Stoffwindeln umwickelt

 

Neben der Krippe sitzen Silvia und Rudi. Sie sind als Maria und Josef verkleidet. Rudi trägt einen Hut und Wanderstab, Silvia einen Schal als Schleier. Dritte im Bunde ist Erika Hummel, Caritas-Mitarbeiterin in der Tagesförderstelle. Sie ist die „Hebamme“, die bei einem Mini-Krippenspiel das gewickelte Jesuskind in Form einer Puppe Maria in den Schoß legt. „Das sind richtige Stoffwindeln“, sagt sie dazu.

In der Krippenszenerie steht neben dem Haus ein Miniatur-Feldkreuz aus den Alpen. „Kreuz und Krippe gehören zusammen. Beides zeigt, wie sehr Gott uns liebt und Jesus unser Freund ist“, sagt Koch. Er fügt hinzu: „Jesus ist wie Schokolade. Er ist unglaublich gut für uns.“

Nach der Katechese Kochs wird vorgeschlagen, ein Lied zu singen. Erika Hummel stimmt zusammen mit Hugo „Wir sagen euch an, den lieben Advent“ an. Danach soll noch ein Weihnachtslied gesungen werden. Hummel schlägt „O Tannenbaum“ vor, Hugo „Zu Betlehem geboren“. Hummel meint zu dem Vorschlag: „Das bekomme ich auswendig nicht hin.“ Sie einigen sich auf „O Tannenbaum“. In seiner Freude umarmt Hugo nach dem Singen die Mitarbeiterin herzlich. Nicht nur er strahlt. Auch bei anderen scheint auf den Gesichtern schon etwas vom Glanz der gerade besungenen Weihnacht auf.

 

Hintergrund

Hirte in Lederhose

 
 

Köpfe und Gliedmaßen der Krippenfiguren von Elisabeth Meschede sind aus Ton gebrannt. Verbunden sind sie mit einem Drahtgestell sowie darüber mit Textilien angezogen. Sie tragen die frühere Kleidung der Menschen in der Rhön. Maria etwa hat  die Festtagstracht an. Die Kleidung also, die Frauen an Weihnachten für den Kirchgang anzogen. Ein Hirte am Lagerfeuer trägt eine Lederhose, ein anderer den bestickten blauen Hessenkittel.

Das Krippenhaus ist aus Fachwerk. Dabei hat Meschede das selbe Material verwendet wie bei ihrem Elternhaus. Die Ziegel für das Krippenhaus hat sie selbst aus Ton hergestellt. Neben dem Krippenhaus steht maßstabgetreu ein kleiner Stoffrucksack. „Den brauchte Josef für den Proviant auf der Reise von Nazareth nach Betlehem“, erläutert Katechet Alfred Koch. Elisabeth Meschede hat den Heimbewohnern versprochen, für die Krippe einen Engel zu gestalten. 

 

Mit freundlicher Genehmigung des “Bonifatiusbote”, Kirchenzeitung für das Bistum Fulda.

Quelle: Bonifatiusbote

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