Fachtag am 10.10.2013 in der Fachstelle für berufliche Integration, Fulda

Neue Wege in angepasste Arbeit für Menschen mit Behinderungen

Zu einem Fachtag „Neue Wege in angepasste Arbeit für Menschen mit Behinderungen“ hatte Caritas Berufswege Fulda in ihre Fachstelle für berufliche Integration eingeladen.

In einem Statement ging der Gesamtleiter Caritas Berufswege, Herr Bernd Wystrach, auf das Anliegen des Fachtages, der unter das Motto „Inklusion bewirken“ gestellt war, ein. Die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN BRK) wurde im Jahre 2009  geltendes Recht auch  in Deutschland. Darin wird in Artikel 27 auch das Recht auf Arbeit für Menschen mit Behinderungen gefordert.

Mit der Arbeit in den Werkstätten leistet die Caritas einen Beitrag, damit Menschen mit Behinderungen an Formen der Arbeit teilhaben können, die unter den Bedingungen der Betriebe des Allgemeinen Arbeitsmarktes nicht möglich wäre. Werkstätten haben zunächst einen exklusive Ansatz, aber dadurch, dass Menschen mit Behinderungen überhaupt an Arbeit teilhaben können, wirken sie inklusiv. Ein wichtiger Teil ihrer Arbeit ist zudem, dass Wege der Beschäftigten hin zum Allgemeinen Arbeitsmarkt gefunden und nachhaltig begleitet werden.

Voraussetzung für die Arbeit in den Werkstätten, aber auch in den Betrieben des Allgemeinen Arbeitsmarktes ist aber sehr oft, dass Arbeit zergliedert und so angepasst werden muss, dass Menschen mit Behinderungen diese realisieren können und demzufolge überhaupt an Arbeitsprozessen teilhaben können.

Im Artikel  27 der UN BRK hießt es unter Absatz  i.): „… es gilt sicherzustellen, dass am Arbeitsplatz angemessene Vorkehrungen für Menschen mit Behinderungen getroffen werden.“ Der Fachtag sollte speziell zu dieser Forderung einen Diskussionsbeitrag geben.

Die technischen Möglichkeiten, aber auch die pädagogischen Konzepte haben sich in den vergangenen Jahren deutlich innovativ entwickelt und werden das auch weiterhin.  Vom Fachbereich Automatisierungstechnik der Universität Bremen war der Wissenschaftliche Mitarbeiter Herr Heyer in Vertretung von Herrn Prof. Dr. Gräser angereist.

Heyer berichtete von dem Assistenzroboter FRIEND, der von der Uni Bremen  entwickelt wurde um Menschen, die in ihrer körperlichen Fähigkeit stark eingeschränkt sind, eine Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen und sie bei Aufgaben des täglichen Lebens zu unterstützen. Herr Heyer berichtete sehr eindrucksvoll von einer Nutzerin, die, trotz vollständiger Lähmung an den Armen und Beinen,  an der Staatsbibliothek Bremen die sehr zuverlässige retrospektive Katalogisierung von Büchern vornimmt.

Marie Versteeg, Inklusionspädagogin aus Köln, selbst in hohem Maße körperlich eingeschränkt, nahm das Thema aus pädagogischer Sicht auf. „Zeig mir wie es geht. Tu es nicht für mich. Ich kann und will es selbst tun.“  So ein gestaltpädagogischer Ansatz, der aber auch besonders in der Frage der Teilhabe an Arbeit eine wichtige Rolle spielt. Kontakt findet an der Grenze statt, so Marie Versteeg. Zur Frage der Teilhabe an Arbeit geschieht das in der Begegnung des Menschen mit Behinderung und den Fachkräften, die zur Teilhabe begleiten. Dabei geht es darum, den jeweiligen Betroffenen positiv, kreativ und individuell zu begleiten und ihm zu ermöglichen, die eigenen aktuellen, stets veränderlichen Grenzen sowie Fähigkeiten zu erforschen und zu erweitern. Mit allen Sinnen „begreifen“ lernen und somit möglichst vielfältig Sinneserfahrungen für ganzheitliches Lernen zu erreichen ist nach Marie Versteeg auch die Voraussetzung für die Umsetzung von Formen zur angepassten Arbeit in Betrieben oder in der Werkstatt.

Christian Müller und Michael Schütz, beide Fachkräfte zur Arbeits- und Berufsförderung zeigten sehr anschaulich an praktischen Beispielen, wie Arbeitsaufträge (von Betrieben aus der Region) sinnvoll soweit zergliedert werden können, dass Menschen mit Behinderungen diese möglichst selbstständig ausführen können. Hier zeigte sich, dass sich  im Grunde jede Arbeit soweit zergliedern lässt, das auch Menschen mit wenig ausgeprägten motorischen Fähigkeiten einzelne Teilschritte umsetzen können.  Innerhalb einer Gruppe können selbst komplexe Arbeitsaufträge so angepasst werden, dass viele unterschiedliche Fähigkeiten berücksichtigt werden können.

Patrick Oeffner von Gripability zeigte schließlich, wie innovative technische Hilfsmittel neue Wege zum adaptiven Arbeitsplatz ermöglichen können.  Technische Hilfsmittel, hier im Besonderen spezielle Greifsysteme,  können zu erheblichen Verbesserungen zur Unterstützung der Motorik von Menschen mit Behinderungen leisten.

Da die von Oeffner vorgestellten Greifsysteme und Arbeitshilfen besonders im Alltag von Menschen mit Behinderung  sowie im Förder-, Therapie-, Ausbildungs- und Lehrbereich unter der Anleitung von therapeutischen und pädagogischen Fachkräften ihren Einsatz finden, haben sie auch im Zeichen der Inklusion eine sehr hohe Bedeutung. Es sind wirksame assistive Hilfen, um die Handlungsfähigkeit von Menschen mit eingeschränkter Arm- und Handfunktion zu erweitern um damit die Selbstständigkeit zu vergrößern.

Oeffner: “ Produktiv tätig sein zu können ist ganz entscheidend für das Selbstbewusstsein und für die aktive Teilnahme am gesellschaftlichen und am Arbeitsleben.“

Der Fachtag gab somit in vielfacher Weise, aus vier unterschiedlichen Sichtweisen, Einblick in die Frage wie Arbeit so angepasst werden kann, das dadurch Menschen mit eingeschränkten motorischen Fähigkeiten Aufgaben in der Produktion und Fertigung in und außerhalb von Werkstätten, also in Betrieben des Allgemeinen Arbeitsmarktes  wahrnehmen können. Die Fachstelle für berufliche Integration wird aus den  Ergebnissen  des Fachtages sicher die eine oder andere Einsicht mit in die tägliche Arbeit, d.h. in die Begleitung und Förderung von Menschen mit Behinderungen und in die Arbeitsplatzgestaltung einbringen.

Bernd Wystrach und Stefan Heyer, Universität Bremen
 

Steffen Heyer
 

Marie Versteeg, Köln
 

Marie Versteeg, Köln
 

Bernd Wystrach und Marie Versteeg
 

Christian Müller
 

Patrick Oeffner, Gripability – Freiensteinau
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

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