Fachtag am 14. Oktober 2014 im Bonifatiushaus Fulda

Personenorientiertes angepasstes Lernen als besondere Chancen (auch) für Menschen mit Behinderung

Die Anliegen und die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention war auch in diesem Jahr Anlass für den von Caritas Berufswege organisierten Fachtag unter dem Thema: Personenorientiertes angepasstes Lernen als besondere Chancen (auch) für Menschen mit Behinderung am 14. Oktober 2014 im Bonifatiushaus in Fulda, zum dem etwa 60 Fachkräfte aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren. Referent/innen aus Wissenschaft und Praxis referierten aus drei Perspektiven zur Themenstellung. Frau Marie Versteeg, Inklusionspädagogin (mit Handycap) war aus Köln angereist und betrachtete die Situation von jungen Menschen mit Behinderung in der Lebensphase Übergang (Förder-)schule / Beruf. Marie Versteeg sprach sich deutlich für eine notwendige individualisierte pädagogische prozesshafte Begleitung aus. In ihrer täglichen Praxis erlebt sie immer wieder, dass Betroffene bzw. deren Eltern mit dem Übergangsszenario aus sich aneinanderreihenden Pschologischen Tests, Prüfungen und Bewertungen überfordert sind. Nicht selten werden Entscheidungen an Einrichtungs-/Trägerinteressen und nicht an den individuellen Bedarfen orientiert getroffen. Für Familien / Eltern sollte es unabhängige Problemlöser geben, die bei Fragen zur Zeit während des Übergangs bzw. für die Zeit der Berufswegefindung zur Verfügung stehen. Es gibt Sachbearbeiterentscheidungen die sich nachhaltig auf Familien auswirken ohne das diese Einfluss nehmen können. Es entsteht eine Ohnmächtigkeit. Die Macht muss aber den Leistungsberechtigten zurück gegeben werden. Wahlfreiheit muss erreicht werden, davon sind aber viele Betroffene weit entfernt, insbesondere wenn monetäre Interessen vorrangig gehandhabt werden. Das Persönliche Budget könnte hilfreich sein, jedoch fehlt es auch hier an unabhängigen und niederschwellig erreichbaren Beratern. Kostenträger, wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) haben die Chancen des Persönlichen Budgets noch nicht erkannt. Mit der temporären Finanzierung von Maßnahmen (BA) ist selten jemandem geholfen. Häufig werden andere Interessen, als die der Betroffenen bedient. Ein Bewußtsein und der Wille für eine Wahrnehmungsveränderung sei wichtig. Berufswegekonferenzen nach Wahlrecht der Betroffenen im kleinen Setting mit Leistungserbringern (z.B. Werkstatt) ist notwendig.

Bernd Wystrach spricht sich für eine breit angelegte bundesweite  wissenschaftliche Untersuchung der Phase Übergang Förderschule / Beruf aus, um die oft schwierige Situation der Betroffenen und deren Eltern transparent zu machen und daraus Alternativen abzuleiten.

Dajana Herbst, Leiterin der Caritas Altenpflegeschule in Fulda und Armin Gerbeth, der Ausbildungsverantwortliche der IHK Fulda berichteten aus der Praxis von Möglichkeiten des individualisierten Lernens in sog. Helfer- bzw. Fachpraktikerausbildungen.Die Referate behandelten die Anforderungen und Inhalte der Ausbildungsberufe für Menschen mit Behinderungen auf der Basis der §§66ff Berufsbildungsgesetz (BBiG) und der mögliche Finanzierung.

Wichtig sind in diesem Zusammenhang sog. Ausbildungsbegleitende Hilfen durch die Bundesagentur für Arbeit, diese sollten aber individualisierte Maßnahmen sein.

Ausbildungen zur Altenpflegehelferin (sog. § 87b Ausbildungen) wurden in den vergangenen Jahren bereits vielfach erfolgreich in indiviualisierter Form durchgeführt. Nicht eine vorgegebene Ausbildungsdauer ist maßgebend sondern der individuelle erreichbare Lernfortschritt des Einzelnen. Die Caritas Altenpflegeschule in Fulda kann dem gerecht werden.

Caritas Berufswege Fulda wird in Zukunft verstärkt dieses Angebot für die Berufsanfänger aufgreifen. Die Finanzierung ist dann im Einzelfall zu prüfen. Es handelt sich um eine modular gestaltete Ausbildung, die an keine zeitliche Höchstdauer gebunden ist.

Auch die IHK Fulda bietet zwischenzeitlich eine Reihe von Fachpraktikerausbildungen an. Jeder anerkannte Ausbildungsbetrieb kann im jeweiligen Beruf (z.B. Fachpraktiker Metallbearbeitung bei den Caritas Werkstätten) eine solche Ausbildung durchführen. Finanzielle Förderungen sind möglich.

Die IHK sollten zumindest bundeslandeinheitlich agieren, wichtig ist eine einheitliche Sprachregelung und die abgestimmten Ausbildungsinhalte.

Der Deutsche Qualifizierungsrahmen findet mit den Stufen 1 und 2 Anwendung bei den Fachpraktikerausbildungen und der Helfer in der Altenpflege.

Herr Prof. Dr. Gerd Grampp ist ein Verfechter für die Umsetzung des Deutschen Qualifizierungsrahmens (DQR) im Kontext des Europäischen Qualifizierungsrahmens besonders auch in Werkstätten für Menschen mit Behinderungen. (Literaturempfehlung: Grampp/Griebel, Lernen und arbeiten in einer WfbM, 11. Auflage). Der DQR hat zwar noch keine Rechtskraft ist aber bereits vielerorts Wegbereiter für einen Qualifiszierungsrahmen der insbesondere auch Menschen mit Behinderung nach modularen Abschlüssen eine Zuordnung ermöglicht.

Um die Lernvoraussetzungen zu schaffen wurden politische und einrichtungsspezifische Erfordernisse in der Arbeitsgruppe herausgearbeitet.

Politische Erfordernisse: – Beauftragte (geeignete, unabhängige) Stellen zur Anerkennung von Qualifizierunge im DQR sind festzulegen. – Kumulative Lernprozesse (z.B. Helfer/innen in der Altenpflege) können anerkannt werden und sind nach dem DQR anzuerkennen. – Einigung auf einheitliche Kompetenzfeststellungsverfahren (einfach und transparent – davon sind wir noch weit entfernt).

Einrichtungs- /Anbieterspezifische Erfordernisse: – Ausbildungsrahmenpläne müssen mehr ergebnisorientiert sein. Orientierung an erworbenen Kenntnissen, Fähigkeiten, Fertigkeiten – evtl- Umschreibung erforderlich.

– Lernergebnisse führen immer zu anerkannten (Teil-)Zertifikaten. – Es sind Kompetenzmodelle mit spezifischer Begründung zu schaffen. – Die Fachkompetenz muss in den Rahmenplänen stärker zum Ausdruck kommen.- Persönlicghkeitsfördernde Gestaltung der Qualifizierung und der Arbeit ist sehr wichtig zu beachten.

Prof. Dr. Grampp spricht sich dafür mehr “Anders” und “Quer” zu denken. Heute häufig Ämterdenken.

 

Die Ergebnisse des Fachtages wurden als Erträge am Ende der Veranstaltung festgehalten. Die Teilnehmer nehmen diese in ihre Regionen mit und setzen sich für die Umsetzung ein.

Der Deutsche Qualifizierungsrahmen soll in der Arbeit von Caritas Berufswege und den Werkstätten zukünftig angewandt werden um individuelle Lernerfolge stärker sichbar zu machen, aber auch den Einstieg in einen lebenslangen Lernprozess den Weg zu bereiten.

 
 

 
 
 
 

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