Nach der Werkstattschicht an die Freizeit-Werkbank

Im Wohnheim für Menschen mit Behinderung der Caritas Fulda steht Holzbearbeitung als Freizeitspaß auf dem Programm

Uwe arbeitet gerne. Er ist in einer Montagegruppe der Fuldaer Caritas-Werkstätten für Menschen mit Behinderung tätig. Das bedeutet die verschiedensten Arbeiten von Verpacken über Zusammenschrauben verschiedener Elemente zu einem Gesamtprodukt bis hin zur Montage größerer Gerätschaften.

Uwe ist mit seinem Betreuer im Baumarkt. Er sucht sich Bambusrohre für seine Pfeifen aus. Zwei Paletten voll von gelben Bambusrohren stehen vor ihm.

Einkauf der Materialien im Baumarkt

Doch ganz egal, was kommt: Die Aufgaben sind für Uwe alle interessant, und wenn er nachmittags nach Hause in seine Wohnheimgruppe kommt, dann hat er vom Werkeln keineswegs genug. Arbeiten mit Holz, Produzieren von Regalen, Vogelhäusern, Kleinmöbeln, Rahmen für Bilder… – das ist Uwes Leidenschaft, und so steht er am Feierabend oft auch  noch in einer kleinen Werkstatt, die für ihn und mittlerweile einige weitere Mitstreiter im Wohnheim eingerichtet worden ist.

Uwe bearbeitet ein Bambusrohr mit einer elektrischen Bügelssäge. Er scheidet in das Rohr einen runden Ausschnitt. Uwe trägt eine Schutzbrille. Mit beiden Händen schiebt er sicher das Rohr vor die vibrierende Säge.

Uwe bringt das Bambusrohr in die richtige Form

Betreut wird Uwe dabei unter anderem von Enno Hermann, Leiter eines der  Wohngruppenteams. Dieser, ursprünglich einmal als Zimmerer ins Berufsleben gestartet, bevor er sich für die sozialpädagogische Laufbahn entschied, hatte von Uwes Familienangehörigen erfahren, dass Uwe dem Handwerklichen sehr zugetan war. Warum sollte er solch ein Hobby nicht auch im Heim verwirklichen können? Mit anfänglich einfacheren Sägearbeiten – noch in der Ecke des Gruppenraums – ging es los. Längst aber ist der extra eingerichtete Werkstattraum professionell ausgerüstet mit Werkzeug, Materialvorrat und dem neuesten „Schmuckstück“, einer Dekupiersäge.

Uwe sägt ein Sechseck aus einem Holzbrett aus. Dieses wird die Aufhängung des Windspieles. Das Sechseck ist auf dem Holz mit Bleistift aufgezeichnet.

Die Aufhängung des Windspieles wird ausgesägt.

„Es geht dabei vor allem um eine interessante, neigungsbezogene Freizeitgestaltung. Uwe hat bereits weitere Wohnheimbewohnerinnen und -bewohner angesteckt, die nun auch die Arbeit mit Holz für sich entdeckt haben“, erklärt Enno Hermann die boomende Freizeitaktivität im Heim. „Es hat aber noch andere positive Effekte, wenn Uwe oder andere Mitbewohner aus unserer Wohngruppe solche Projekte angehen. Wir machen das ganz systematisch: Zunächst muss es eine Idee geben, was gebaut wird. Dann wird eine Einkaufsliste angelegt: Was brauchen wir dafür an Material? Anschließend geht es in den Baumarkt zu Einkaufen. Da kommen gerne auch noch andere aus der Wohngruppe mit. Erst danach kann wirklich losgelegt werden im Werkraum!“

Den Einkaufsausflügen misst man bei dem Procedere seitens des Teams eine besonders große Bedeutung zu. Denn Einkaufen bedeutet heraus aus den geschützten Bereichen von Wohnheim und Werkstätten in die Öffentlichkeit, Alltagserfahrungen sammeln, sich ausprobieren, neue Kontakte und Begegnungen erleben.

Angesichts des Frühlings hat Uwe als neuestes Bauprojekt entschieden, für den Flurbereich des Wohnheims ein Windspiel zu bauen: Eine Holzkugel soll – vom Wind bewegt – verschieden lange Bambusröhren zum Klingen bringen. Mit Enno und Günther, der ihn auf dieser Einkaufstour in den Baumarkt begleiten wird,  überlegt er, was eingekauft werden muss. Die Klanghölzer sollen aus Bambus entstehen. Eine Bambusstange von zwei Metern sollte reichen, um fünf oder sechs verschieden lange Klanghölzer zu sägen. Zum Aufhängen benötigt Uwe Schnüre, das Brett, an dem die Bambushölzer hängen werden, will er aus einer Leimholzplatte aussägen. Davon ist noch reichlich vorhanden. Auch eine Holzkugel, die mittig hängen und die Bambusstücke zum klingen bringen soll, wird benötigt.

Aussägen, Feilen, zusammenfügen… Die Fotos zeigen, wie zügig Uwe die Arbeit am  Windspiel erledigt hat. Längst hängt es im Flur des Wohnheims und erfreut die Bewohner bei einem Windzug oder durch Anstupsen mit angenehmen Klängen. Für Uwe ist der Fall damit erledigt. Er ist bereits auf der Suche nach einem neuen interessanten Bauobjekt.  

… zur Bildergalerie!

Autor
Christian Scharf

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