Sprache ohne Barrieren

Veranstaltungsreihe des Fuldaer Bündnis “Aktion Grundgesetz”

Seit vielen Jahren macht die bundesweite Aktion Grundgesetz am 5. Mai auf die Rechte von Menschen mit einer Behinderung aufmerksam. In unserer Region werden die Veranstaltungen vom Fuldaer Bündnis Aktion Grundgesetz organisiert, an dem zahlreiche Verbände, Organisationen und Vereine beteiligt sind. In diesem Jahr ist der 5. Mai in Fulda in eine Veranstaltungsserie zum Themenkreis „Kommunikation“ eingebettet. Die Botschaft: Jeder Mensch hat ein Recht darauf, sich auszudrücken und von anderen verstanden zu werden, auch wenn er nicht sprechen, hören oder sehen kann.

Zusammenleben braucht Verstehen

Die Möglichkeiten zu kommunizieren gehen weit über die Lautsprache hinaus: Hörbehinderte nutzen Gebärden, Blinde die Braille-Schrift. Menschen mit Lese- und Verständnisschwierigkeiten hilft die Leichte Sprache Informationen zu verstehen. Für andere sind Symbole, Buchstabiertafeln oder Sprachcomputer von Nutzen. Das heißt: Auch Menschen mit einem Handicap können mit einem entsprechenden Training Kommunikationsfertigkeiten erwerben, um im Alltagsleben zurechtzukommen.

„Viele Menschen haben sich mit diesem Thema noch nie beschäftigt“, sagt Stephan Burkard, derzeitiger Sprecher der LIGA der Freien Wohlfahrtsverbände in Stadt und Landkreis Fulda. „In einer zentralen Auftaktveranstaltung und begleitenden Veranstaltungen an anderen Orten wollen wir aufzeigen, was man tun kann, um diese besonderen Herausforderungen der Kommunikation zu lösen und damit die Inklusion weiter voranzubringen.“

Auftaktveranstaltung am 5. Mai

Für den Auftakt am 5. Mai 2015 ab 16.00 Uhr in der Aula der Alten Universität konnten die Veranstalter drei ausgewiesene Experten als Referenten gewinnen. Sie sprechen über „Kommunikation als Schlüssel zur Inklusion“ (Prof. Dr. Markus Schäfer), werfen die Frage auf „Gibt es ein Recht auf Kommunikation?“ (Dr. Angelika Rothmayr) und erläutern, was man unter „Leichter Sprache“ versteht (Henrik Nolte/Sven Asthalter). Am Rande der Veranstaltung sind verschiedene Initiativen mit Infoständen vertreten.

SpracheErgänzend zur Auftaktveranstaltung gibt es an verschiedenen Orten und Terminen weitere Veranstaltungen und Aktionen. Alle Themen und Termine sind in einem Faltblatt aufgelistet, das unter www.liga-fulda.de oder direkt über diesen Link zum Download bereitsteht und auch die verschiedenen beteiligten Organisationen und Initiativen benennt.

Die Aktion „Sprache ohne Barrieren“ hat eine klare Ansage: Es muss sich – auch in Fulda – noch einiges ändern, damit das Recht auf Kommunikation für alle verwirklicht wird. Die Veranstaltungen um den   5. Mai dienen dazu dieses Bewusstsein zu schärfen.

Infokasten

„Sprache ohne Barrieren“

Veranstaltung am 5. Mai 2015, 16.00 Uhr

Aula der Alten Universität Fulda

(1) Prof. Dr. Markus Schäfers (Hochschule Fulda, Fachbereich Sozialwesen):  „Kommunikation als Schlüssel zur Inklusion“

Sein Leben selbst bestimmen, Lebensperspektiven entwickeln, mitsprechen können – Menschen mit Beeinträchtigungen haben das Recht, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben wie alle anderen auch. Die Idee der Inklusion durchzieht die Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen wie ein roter Faden. Prof. Schäfers stellt dar, dass gelingende Kommunikation unerlässlich für Inklusion ist.

(2) Dr. Angelika Rothmayr (Leitung des Landesnetzwerkes Unterstützte Kommunikation, Hessisches Kultusministerium): „Gibt es ein Recht auf Kommunikation? Unterstützte Kommunikation als Basis der Teilhabe“

Wer sich lautsprachlich nicht mitteilen kann, kann in unserer Gesellschaft oft nur teilhaben, indem er oder sie mit Hilfsmitteln kommuniziert. Deren Anwendung muss gelehrt und begleitet werden. Wenn es ein Recht auf Kommunikation gibt, dann steht den Betroffenen Unterstützung zu. Frau Dr. Rothmayr erklärt, wie die Unterstützte Kommunikation funktioniert und zeigt Praxisbeispiele aus dem schulischen und außerschulischen Bereich auf.

(3) Henrik Nolte  (Zentrum für Leichte Sprache der Lebenshilfe Landesverband Hessen e.V.): „Leichte Sprache – doppelt inklusiv“

Schachtelsätze, Fremdwörter und „Wortungetüme“ – unverständliche Informationstexte und komplizierte Anschreiben machen das Leben schwer? Dabei kann vieles mit Leichter Sprache so ausgedrückt werden, dass es jeder versteht, auch Menschen mit Lese- und Verständnisschwierigkeiten oder ausländische Mitbürger. Nolte erklärt, was Leichte Sprache kennzeichnet, wo sie sinnvoll ist, wie Texte in Leichter Sprache entstehen und warum sie in doppelter Hinsicht Teilhabe ermöglichen.

Selbstverständlich ist die Veranstaltung barrierefrei zugänglich. Bei Bedarf steht ein Gebärdendolmetscher zur Verfügung. Mehrere Verbände, Fachdienste und Interessengemeinschaften sind mit Infoständen vertreten.